Sevi - Wer ist das überhaupt?

Sevi zog 2003 vom ländlichen Rüstorf in den Großstadtdschungel Linz, weil ihm zu Hause keiner mehr zuhören wollte, wenn er wieder Weltverschwörungsparanoia verbreitete. Den fünfdimensionalen Versuchungen des Lustzentrums nicht widerstehen könnend, verschwand er im Wörtersumpf, ehe er Ende 2008 den Rettungsanker Poetry Slam für sich entdeckte. Er fing an rumzureisen, den Slams nachzufahren und ist deshalb nach Deutschland ausgewandert, in der Hoffnung dort mehr Liebe zu erfahren. Es folgten zahlreiche Teilnahmen an Slams im Raum Nordrhein-Westfalen. Mittlerweile hat er laut MySlam.de knapp 3 Mal die Welt umrundet, hat an über 200 Slams in Deutschland, Schweiz, Holland, Italien und Österreich teilgenommen, ein paar davon gewinnen dürfen, wurde Wittener Stadtmeister 2010, hat in Puerto Rico ein Open Mic gerockt, war bei den österreichischen Meisterschaften 2009 in Linz und 2010 in Bozen jeweils unter den besten 10 und hat beim Ö-Slam 2011 in Dornbirn den 3.Platz belegt. Außerdem durfte er bei den deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften 2010 im Ruhrgebiet einen Halbfinaleinzug feiern. Außerdem mag er das Wort außerdem sehr gerne. Fußball, Bier, schlechte Witze und zotige Geschichten genauso. Und Kuscheln und Weltfrieden. Den ganz besonders.

Mittlerweile moderiert er die beiden von ihm veranstalteten Poetry Slams in Linz im Solaris und der Tabakfabrik.


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Poetry Slam Videos

"Niederlagen lassen uns wachsen" beim Wortwäsche Slam in Magdeburg am 15.02.2012



"Meine Kindheit in 5 Minuten - Das Leben zieht an mir vorbei"
am 07.10.2011 in Dornbirn (Vorrunde Ö-Slam)



Mein Viertelfinaltext vom Ö-Slam 2009 in Linz
"I was net"



"I waas ned - Version Hochdeutsch" aus Dessau vom 16.02.2012



"Die Hoffnung stirbt zuletzt" am 17.02.2012 in Halle



"Die Hoffnung stirbt zuletzt"
am 06.01.2011 in Klagenfurt im Carmecitas Corner



Mein Vorrundentext vom Poetry Slam in Düsseldorf im Zakk am 21.03.2010
"Und alle schauen einfach zu"



Dienstag, 24. August 2010

Slamtagebuch Teil 6

Es wird alles immer intensiver, die Bekanntschaften mehr und die positiven Reaktionen auf mein Werk häufiger!

08.09.2009, Wien – Tschocherl

Endlich kann ich mal dem Tschif seinem Slam besuchen. Dem einzig regelmäßig ausgetragenen Dialektslam weltweit. So heißt es. Ich finde die Lokalität schnell und fühle mich zu Mundl’s Zeiten zurück versetzt. Eine richtige altwienerische Absteige mit rustikalem Flair, aber ich mag das. Ein paar Monate später werde ich das dortige Publikum in einem Gespräch mit Florian Cieslik als Wiener Dialektslamnazis bezeichnen, was aber nicht böse gemeint ist. Vor Ort finden sich der Jimi Lend, El Awadalla, Markus Köhle, Schreibi, Andi Pianka und noch ein paar mehr Teilnehmer und einige Zuschauer ein. Wir sitzen lustig an einem Tisch beisammen und haben Spaß. Tschif moderiert das ganze sehr sympathisch und ich muss sagen, das der ganze Abend textlich gesehen richtig österreichisch war. So kritisch und ironisch und so. Da ich nur einen (in Zahlen 1) vortragenswerten Dialekttext habe, performe ich den und wuchte mich damit ins Finale. Nebst dem Lend, der El, dem Köhle und dem Schreibi. Später entdecke ich im weltweiten Netz, dass Videos vom Abend gemacht wurden und ich als „Sevi aus Deutschland“ benamselt werde. So schnell ist glaub ich noch keinem die Staatsbürgerschaft entzogen worden. Die 120 Millionen Story rotze ich dann frei übersetzt in feinstem Dialekt in die aufnahmefähige Menge und ernte dafür Wohlwollen. Coole Sache. Der Lend ist der Lustigste an dem Abend und gewinnt vor 4 gleichauf punkteversehenen Interpreten, welche sich alle 2.Sieger nennen durften. Ich hebe noch mal kurz den rechten Arm zum Abschied und mach mich zufrieden auf den Heimweg.

10.09.2009, Linz – Solaris (Open Air, Versuch 2)

Open Air Slam am OK-Platz. Diesmal ist uns Petrus gnädig und schenkt uns laue Spätsommertemperaturen und keine versmogte Flüssigkeit aus dem Linzer Nachthimmel. Vielleicht hat er auch nur meinen Wink mit dem Arm 2 Tage zuvor in Wien richtig gedeutet. Es scheint, als hätte ich Urlaub, weil ich so viel zu Hause bin. Zumindest fühlt sich mein Kopf so an. Klar ist nur das Freistädter Bier vor meinen Augen und in meiner Hand. Ja, ein Slam in Linz ist leider immer daran gebunden, dass ich so bin, wie ich bin. Unerträglich hyperaktiv. Tolle Menschen sind da, die ich kenne und auch tolle Menschen die ich nicht kenne. Der Paul Pizzera zum Bleistift. Und Andere. Ich bin rollig, als rolle ich Richtung Bühne, begebe mich mental auf das Niveau des rumschreienden Sandlers dem unsere öffentliche Veranstaltung auch zusagt und begehre mit Inbrunst Didi Sommer’s Schweinebrust. Mit Erfolg. Schön, mal lustig sein zu können. Andere sehr schräge erst od. zweitmals auftretende Menschen machen einen skurilen Abend daraus. Ins in Dunkelheit getränkte Finale schaffen es Rene Monet, der Paul, James Joyce und ich. Das Ergebnis liest sich in der gleichen Reihenfolge. Ich fühle mich richtig pudelwohl, hab alle lieb und freu mich schon mal auf den Ö-Slam. Mittlerweile hab ich nämlich erfahren, dass ich da mitmachen darf und hab aus Freude den einen oder anderen Freudentanz aufgeführt. So gehört sich das. Der Abend endet wie immer. Flüssig und Undurchsichtig. Nur das Bier, diesmal das Tschechische, ist nach wie vor klar.

20.09.2009, Düsseldorf – Zakk

Tja, jetzt ist es doch tatsächlich so weit gekommen, wovor ich mich schon ein bisserl gefürchtet hab. Da hab ich in meiner Auftrittsliste einen Slam mit Ergebnis dastehen und weiß nicht mehr was dort passiert ist…
Auf alle Fälle weiß ich, dass nicht viele Teilnehmer waren, aber wie immer viel Publikum. Diesmal hab ich auch große Klöten genug um mich Backstage breit zu machen. Auch, weil’s da gratis Bier gibt und man die Getränkemarken für Bionade Holunder ausgeben kann. Ungelogen. Ich denke es war der Abend, an dem ich Markim das Liebesgedicht spendiere und 120 Millionen verprasse. Vor dem Finale weist mich Sushi darauf hin, dass ich meinen finalen Kombatanten vernichten soll, weil er ihn nicht mag. Da ich besagten Herren nicht kenne und nur selten Menschen mit Finishing Moves oder Fatalities zerstöre, entschließe ich mich seinem Rat nicht zu folgen. Eigentlich will ich aber nur das „Slam 2009“ T-Shirt haben, welches es für den 2.Platz gibt, weil ich mit der Flasche Sekt für den 1.Platz sowieso nix anfangen kann. Sekt ist doof. Selbst wenn er gratis ist. Also hole ich meinen „Frauen“ Text aus Stali.2see Zeiten hervor und rezitiere (das Wort passt hier gar nicht, aber es hört sich so wichtig an) bis ins kleinste Detail, warum ich keine fetten Weiber für die Lustgewinnung mag und warum ich mich so gerne selbst angreife und wie das so abläuft. Das Publikum ist sichtlich geschockt und angeekelt, worüber ich mich freue, denn so müssen sie den Anderen hochleben lassen und ich darf mich über einen neues T-Shirt freuen. (Das sollte mir Wochen später bei den Nationals in Düsseldorf noch ne Menge gratis Getränke einbringen, obwohl ich gar kein „offiziell“ Teilnehmender war. Sozusagen ein richtig guter Deal)

21.09.2009, Dortmund – Subrosa

Nach Dortmund fährt man von Grevenbroich aus 1h und 10min. Das passt so. Dort ist es so, dass ein Hobbyzauberer in einer Hafenkneipe einen Jam veranstaltet. Also Texte vorlesen ohne bewertet zu werden. Auch das passt so mal ganz gut. Wie sehr oft, bin ich viel zu früh dran und ärgere mich die Wartezeit nicht mit Betrinken sinnvoll gestalten zu können. Also nippe ich lustlos am Bier rum und wundere mich, dass keine Interpreten kommen. Bis auf eine Frau, die offensichtlich Texte dabei hat, entdecke ich niemanden. Irgendwann tippt mir jemand auf die Schulter und sagt mir, dass die Künstler sich alle auf der Terrasse befinden und ob ich mich dazugesellen möchte. Aha! So ist das. Natürlich will ich das. Ich gehe da raus und bin mal sprachlos, versuche aber cool zu wirken. Da sitzt er. Der Meister aller Klassen und nicht nur Seinerzeit, sondern Jederzeit erfolgreichster Wortakrobat auf diesem Teil der Welt. Zumindest umgibt ihn dieser Schein, nein, falsch, ich empfinde das einfach, weil ich wieder in mein kindlich naives „Schau, jetzt lernst du einen Star kennen“ Verhalten falle. Sebastian 23…Das ist er also. Zitternd, schwitzend und Herz pochend reiche ich ihm meine Finger zur Begrüßung, nachdem ich die mir bekannten Gesichter von Laura, Sara und Anke nieder geknutscht hab.
Weiters sitzt da noch ein älterer Mann mit schwarzer Haube, 3-Tagesbart und reichlich bass-lastiger Stimme neben Seb „the eyebrow“ 23 auf der Hollywoodschaukel. Er stellt sich als „Der Sträter“ vor. Auch zugegen und erst getroffen waren ein Tobi Katze, ein Rainer von Vielen (aber ich glaub nicht der bekannte Musiker, sondern einer von den wenigeren Rainers von Vielens oder so irgendwie) und noch jemand. Ich integriere mich vorsichtig in die Gruppe, welche sich offenbar gut kennt. Der rechte Arm spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle. (Ich merke gerade, dass ich zu einem linguistischen Wrack degeneriere, weil ich ständig Buchstaben am Ende von Wörtern vergesse und das nervt unheimlich, weil mir die automatische Rechtschreibprüfung das nur sehr sehr sehr zeit verzögert anzeigt…Mist, verdammter).
Der Abend verläuft so, dass ich begeistert von den Texten der anderen bin, weil sie das Subrosa offensichtlich als Texttestbühne nutzen. Unter anderem Sebastian seinen „rosa Brille“ Text. Torsten Sträter liest irrwitzige „Wie ich einmal Tobi Katze kennen gelernt hab“ Geschichten vor und auch der Rest ist hörenswert. Es wird niemand runter gebuht. Ich auch nicht. Danach bitte ich fast alle etwas in mein Poesiealbum (Textbuch) zu schreiben, was die dann auch brav machen. Damit habe ich eine sehr schöne Erinnerung an einen der schönsten Slamabende meiner Zeit erleben dürfen. Nach Hause schwebe ich, anstatt zu fahren. Ich träne gerade, während ich daran zurück denke. Sehr sehr schön das alles. Mit jetzt (also damals) liebe ich das ganze Slam-Ding noch mehr, denke ich vor dem Einschlummern. Außerdem hätte ich nicht gedacht, dass ich es tatsächlich nie mehr schaffen würde, noch einmal im Subrosa aufzutreten. Schade eigentlich.

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